Neues vom Initiativkreis Bistumsreform

Trauer um Walter Kaminski März 2016

Nach schwerer Krankheit starb am 15. März 2016 Walter Kaminski im Alter von 63 Jahren. Der Initiativkreis Bistumsreform hat mit seinem Tod einen fast unersetzbaren Freund und Mitstreiter verloren, der uns alle bereichert hat.
Walter Kaminski zählte in seiner Heimatgemeinde Gundelfingen und in seinem Landkreis zu den ungewöhnlichen Persönlichkeiten, die ihr Gemeinwesen durch ihren Sachverstand wie durch ihre Liebenswürdigkeit, durch ihre Beharrlichkeit wie durch ihre Umsicht buchstäblich befördert hat. Mitglieder der Mailingliste Bistumsreform haben in den vergangenen Jahren insbesondere auch von seinen umsichtigen Nachrichtenrecherchen profitiert, die er uns über diese Liste zur Verfügung gestellt hat.
Wir sind in Gedanken und im Gebet bei ihm und hoffen, dass er seinen Frieden gefunden hat.

„Netzwerk deutschsprachiger Reformgruppen“ – Initiativkreis Bistumsreform Augsburg nimmt von einer Beteiligung Abstand 29.06.2015

Mit dem Zusammenschluss deutschsprachiger Reformgruppen soll nach den Vorstellungen der Initiatoren ein Netzwerk errichtet werden, das „den Informationsaustausch und die Koordination unserer Projekte erleichtern und zu neuen Impulsen führen“ sowie einer „wachsenden Isolierung und Zersplitterung entgegenwirken“ soll. Es sollen sich alle beteiligen können, „die sich der Erneuerung der Kirche(n) im Dienste einer zu erneuernden Gesellschaft und interreligiöser Annäherungen widmen“. Initiator ist die „Herbert Haag Stiftung für Freiheit in der Kirche“ (Luzern, Schweiz), Mitinitiatoren sind Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ (Deutschland und Österreich) und die korrespondierende Gruppe „Tagsatzung“ (Schweiz).
Für den Initiativkreis Bistumsreform Augsburg stellt sich mit dieser Beitrittseinladung zum wiederholten Male die Frage nach den eigenen legitimatorischen Grundlagen. Ausgangspunkt des Initiativkreises war die drohendende Abschaffung der Pfarrgemeinderäte und die damit verbundene Einschränkung oder Aufhebung der unmittelbaren und entscheidungsrelevanten Mitwirkung der Laien an der Gestaltung des pfarrlichen Lebens in den Ortskirchen. Neben zahlreichen anderen wichtigen Aktionen gab die vom Initiativkreis organisierte Kundgebung „Kirche sind wir alle - unser Weg ist Dialog“ am 21. April 2012 auf dem Domplatz in Augsburg dem tief verankerten Bedürfnis nach einer abgesicherten Mitwirkung der Laien in den Pfarreien ihren sichtbaren Ausdruck.
Die seither immer wieder geäußerten Erwartungen an den Initiativkreis bezog sich immer auf diesen Kernpunkt der Aufrechterhaltung der Gestaltungsräume für die Laien vor Ort. Der Initiativkreis ist bisher nicht den weiteren Schritt gegangen, zu inhaltlichen theologischen, pastoralen oder gesellschaftspolitischen Fragen Stellung zu nehmen. Er könnte dies als eine kleine Gruppe engagierter Christinnen und Christen tun, würde dabei aber nicht eine quasi stellvertretende Positionierung für die Pfarrgemeinderäte in Anspruch nehmen können. Insofern könnte der Initiativkreis Bistumsreform Augsburg bei einer Mitgliedschaft in einem „Netzwerk deutschsprachiger Reformgruppen“ im Falle einer Positionierung zu einer theologischen Frage (z. B. der kirchlichen Sexualmorallehre) aus seinen Aktivitäten unmittelbar nichts beitragen, es sei denn, er würde die Auffassungen der Pfarrgemeinderäte zu einer solchen Frage in einem diskursiven Prozess zur Sprache bringen und dies auch organisatorisch darstellen können.
Im Falle einer Mitgliedschaft in dem geplanten Netzwerk müsste der Initiativkreis die bisher veröffentlichten Leitlinien und Arbeitsgrundlagen der Initiatoren auch einer kritischen Würdigung unterziehen, da sie weder inhaltlich noch strategisch neue Aspekte bringen, die über die bisher bekannten Ansatzpunkte von reformorientierten Kräften innerhalb und außerhalb der Kirche hinausgingen, und für eine praxisnahe wirksamere Beteiligung von Laien in der Kirche kaum Ansatzpunkte bietet.
Der Initiativkreis Bistumsreform Augsburg hat deshalb beschlossen, von einer Beteiligung am „Netzwerk deutschsprachiger Reformgruppen“ Abstand zu nehmen.

Die ausführliche Stellungnahme des Initiativkreises zur Initiative „Netzwerk deutschsprachiger Reformgruppen“ finden Sie hier. Die Stellungnahme enthält auch Links zu den bisher veröffentlichten Grundlagen des geplanten Netzwerks.

Erwartungen an den neuen Diözesanrat zu Neukonstituierung am 13.12.2014 10.12.2014

Aus der Diskussion mit engagierten und kritischen Pfarrgemeinderätinnen und –räten und aus den Ergebnissen eigener Veranstaltungen hat der Initiativkreis Bistumsreform Augsburg seine Erwartungen an die künftige Arbeit des Diözesanrats in sieben zentralen Punkten zusammenfasst und an den Diözesanrat übermittelt.
Der Diözesanrat als oberstes formelles Vertretungsorgan der Laien in der Diözese muss sich als ihr Sprachrohr gegenüber der Bistumsleitung und in der Öffentlichkeit verstehen und dabei die Sichtweisen, wie sie sich in den Pfarreien und in den verbandlichen Gruppierungen darstellen, deutlich und unverkürzt zur Geltung bringen. Der Initiativkreis Bistumsreform erwartet vom neuen Diözesanrat, diese zentrale Aufgabe entschlossener, mutiger und in der Öffentlichkeit wahrnehmbarer umzusetzen.
Papst Franziskus hat zu Beginn seiner Amtszeit ähnlich wie Papst Johannes XXIII. die Fenster der Kirche zur Welt hin aufgestoßen, er hat die umfassende Liebe Gottes vor die ängstliche Sorge um die Disziplin gestellt. Er sagt nicht „Weiter so!“, sondern er fordert die ganze Kirche auf, über die verkrusteten Strukturen hinaus „an die Grenzen“ zu gehen. Er versteht sein Amt als Garant für das offene Wort. Der Initiativkreis erwartet, dass der Diözesanrat zu diesen Themen in den diskursiven, gegebenenfalls auch kontroversen Austausch mit der Bistumsleitung tritt. Denn von einem offenen und freimütigen Dialog über wichtige Fragen ist in der Diözese Augsburg noch nichts zu erkennen.
Die Sprachlosigkeit des Diözesanrats, wie sie sich zum Beispiel im Vorfeld der Bischofssynode zu Ehe und Familie gezeigt hat, darf sich nicht wiederholen. Er muss sich, unabhängig von der Positionierung der Bistumsleitung, grundsätzlich mit der Frage auseinandersetzen, wie er die Sichtweisen der kirchlich engagierten Laien in den gesellschaftlichen Diskussionsprozess einbringen kann.
Die neuen Satzungen für die Pfarrgemeinderäte und die Pastoralräte sind unter zum Teil schwierigsten Bedingungen zustande gekommen. Während der neuen Amtsperiode des Diözesanrats werden sie ihre Brauchbarkeit in der Praxis unter Beweis stellen müssen. Der Diözesanrat muss ein eigenes Konzept entwickeln, wie er die neu geformten Gremien begleiten und die Erfahrungen mit den neuen Regelwerken auswerten will.

Das vollständige Positionspapier des Initiativkreises Bistumsreform Augsburg „Erwartungen an den Diözesanrat“ finden Sie hier.